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Unser Betonschiff


Das heimliche Wahrzeichen von Redentin.

Der Wismarer Stadtteil Redentin ist in den vergangenen 20 Jahren kräftig gewachsen und gehört, nicht zuletzt wegen der guten Lage an der Wismarer-Bucht, zu einer der begehrtesten Wohngegenden unsere Stadt.
Unmittelbar vor der Redentiner Haustür liegt im flachen Ostseewasser der Bucht seit fast 50 Jahren ein Schiff ohne Namen – das Betonschiff. Es ist mittlerweile zum heimlichen Wahrzeichen Redentins geworden und unter Einheimischen und Kennern deutschlandweit heißt es nur das Redentiner Betonschiff.

Schiffsrümpfe aus Beton herzustellen ist nichts Neues und Seltenes. 1848 wurde das erste Schiff aus diesem Material in Frankreich hergestellt und noch heute fahren unterschiedlichste Schiffstypen, vom Kutter bis hin zur Yacht, mit dem eigentlich an Land gebräuchlichen Baustoff. So gibt es beispielsweise das Rostocker Museumsschiff, das ehemalige Küstenmotorschiff Capella und das Lübecker Jazz- und Gastronomieschiff Riverboat aus Beton. Zwar wurde das Schiffbaumaterial Beton immer gerne in stahlknappen Zeiten verwendet, aber Beton reizte auch wegen der geringeren Kosten für den Schiffbau. In Deutschland wurde aus diesen Gründen ab 1940 Betonschiffe in Serie hergestellt. Das Redentiner Betonschiff hat, obwohl es niemals fertig wurde, eine interessante Geschichte.

Nach Wismar kamen zwei fertige Schiffsrümpf aus Beton im März 1945, als die Kriegsfront sich immer mehr von Osten nach Westen verlagerte. Hergestellt wurden diese in Ostswine am Stettiner Haff und, um sie vor den heranrückenden Russen zu retten, vom Schlepper Hermann Kiersch nach Wismar bugsiert. Die beiden Betonrümpfe erhielten zunächst in der Nähe des damaligen Dornierhafens am Haffeld ihren Ankerplatz. Im Mai und Juni 1945 wurden Teile der ehemaligen Luftwaffenversuchsanstalt Tarnewitz geräumt und dazu wurde ein Betonrumpf, mit Munition beladen, unweit davon in der Ostsee versenkt.

Der andere Rumpf blieb ungeachtet liegen. Als die britischen Truppen Wismar verließen, vergaßen sie den Betonschiffsrumpf in Wismar, von wo er nun an die Kai des seit 1944 stillgelegten Seegrenzschlachthauses gelegt wurde. Dort hatte sich eine Fischkonservenproduktion in einer Etage eingerichtet, die auch den Betonrumpf für eine Fischverarbeitung nach Umbau später in Trassenheide auf Usedom nutzen wollte. Erste Umbauten im Schiff wurden schon getätigt, als man für die Erweiterung der Schiffsreparaturwerft in Wismar auf die Räume des Seegrenzschlachthauses zurückgriff und diese dafür im April 1946 geräumt werden mussten. Das Betonschiff hatte nun ab Mai 1946 seinen Liegeplatz im Westhafen und diente für die Hansa Werft und später ab 28. Februar 1951 für die MTW-Werft als Lager. Zur Unterstützung zum Bau eines maritimen Stützpunktes der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) im Seebad Wendorf wurde das Betonschiff dorthin verholt und nach Fertigstellung wieder in den Werftbereich verlegt. Hier diente es nun als Lager für die Werft eigenen Festmachertrossen und später für Anker und Ankerkettenausrüstung, die dort zusammengestellt für den Einsatz auf den Neubauschiffen vorbereitet wurden. Wegen der mangelnden Wartung zeigten sich am Rumpf des Betonschiffes erste Risse und das Schiff zog sehr viel Wasser.

Man suchte nun entweder einen neuen Einsatzort oder einen Plan zur Vernichtung des Schiffes. Beides erwies sich als äußerst schwierig und so kam 1962 die Idee einer Wismarer Fischerei- Produktionsgenossenschaft zur Nutzung als Wellenbrecher in der Redentiner Bucht gerade zur rechten Zeit und ein Schlepper verholte das Betonschiff dorthin und versetzte es bei hohem Wasserstand auf Grund. Es war durchaus nicht Absicht, das Schiff dort dauerhaft liegen zu lassen, jedoch mehrere Stürme verschoben den Betonrumpf in kniehohes Wasser und durch den lecken Rumpf kam mehr Wasser in das Schiff und es blieb so manövrierunfähig liegen. 1973 gab es eine staatliche Auflage, das Schiff wieder aus der Bucht zu entfernen, um das alte Landschaftsbild herzustellen, so die Begründung. Nun schon stark beschädigt, war dieses Unternehmen ohne größere Kosten schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Aber das Betonschiff rief auch andere Begehrlichkeiten hervor. 1975 gab es ernsthafte Verhandlungen mit einer Gruppe von Schauspielern und Künstlern, unter ihnen die damals sehr bekannte DEFA- Filmschauspielerin Christine Lazar, die das Redentiner Betonschiff, so der inzwischen eingebürgerte Name, für Freizeitzwecke kaufen und ausbauen wollten. Das war den damals Verantwortlichen doch wohl zu viel und aus einem Wochenendhaus in der Redentiner Bucht wurde zum Glück nichts.

Heute kann man sich das Betonschiff aus der Redentiner Bucht nicht mehr wegdenken und sicherlich ist es für viele schon zum Wahrzeichen geworden – ein nie bestätigtes, technisches Denkmal ist es allemal. Schon zu DDR Zeiten haben Studenten der Wismarer Hochschule das Schiff als Forschungsprojekt genutzt und heute hat die Natur das Schiff in fester Hand.

Diese Informationen wurden bereitgestellt durch den Autor Detlef Schmidt Wismar

Das Betonschiff von Redentin

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